Politik & Recht

Das neue Gebäudemodernisierungsgesetz: Was bedeutet es für Vermieter von Mehrfamilienhäusern?

Lukas Steinhilber
07.05.2026
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5 min Lesezeit
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Zusammenfassung
  • Das bisherige Gebäudeenergiegesetz (GEG) wurde technologieoffener gestaltet und heißt seit dem 29. Juli 2026 Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG).
  • Ab 2029 sollen steigende Bio-Brennstoffanteile gelten. Ab 2028 ist eine stärkere Kostenbeteiligung von Vermietern vorgesehen.
  • Höhere CO₂-Preise und Brennstoffkosten können fossile Heizungen langfristig verteuern.
  • Die Heizungsförderung der BEG soll bis mindestens 2029 bleiben, seit dem 21. Juli 2026 gelten aber neue Richtlinien mit geringeren Boni und Höchstbeträgen.
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Hinweis
Bei den beschlossenen Eckpunkten handelt es sich noch nicht um beschlossenes Recht. Ein finaler Gesetzentwurf liegt noch nicht vor. Das aktuelle GEG 2024 gilt bis zum Inkrafttreten des GModG unverändert weiter. Alle Angaben basieren auf dem Eckpunktepapier vom 24. Februar 2026 und dem Stand vom Mai 2026.

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Wieder einmal steht das zentrale Gesetz zur energetischen Regulierung von Gebäuden in Deutschland vor einer grundlegenden Reform. Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) – besser bekannt als „Heizungsgesetz" – soll durch das neue Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) ersetzt werden. Am 24. Februar 2026 haben die Koalitionsfraktionen die Eckpunkte vorgestellt. Seit dem 29. Juli 2026 ist das Gesetz in Kraft.

Für private Vermieter, Projektentwickler und institutionelle Investoren, die Mehrfamilienhäuser halten oder entwickeln, stellen sich jetzt konkrete Fragen: Was ändert sich operativ? Welche Pflichten fallen weg? Und was kommt neu dazu? Wir haben die wichtigsten Punkte zusammengefasst.

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Was sich mit dem GModG konkret ändert

Die Kernbotschaft der Reform ist Technologieoffenheit. Während das GEG 2024 konkrete Vorgaben für Heizungssysteme und den Anteil erneuerbarer Energien gemacht hat, setzt das neue Gesetz auf den CO₂-Preis als zentralen Steuerungsmechanismus. Die Verbote werden durch Marktanreize ersetzt – zumindest im Prinzip.

Folgendes fällt weg: Die 65-%-EE-Regel, also die Pflicht bei neuen Heizungen mindestens 65 % erneuerbare Energien zu nutzen, wird gestrichen. Der Einbau von Gas- und Ölheizungen ist wieder erlaubt, unterliegt aber ab 2029 der Bio-Treppe. Ebenfalls gestrichen wird die Austauschpflicht für Gas- und Ölheizungen, die älter als 30 Jahre sind. Und die bisherige Verknüpfung der Heizungspflichten mit der kommunalen Wärmeplanung entfällt.

Folgendes kommt neu hinzu: Ab 2029 tritt die sogenannte „Bio-Treppe" in Kraft. Das gilt für jede Gas-, Öl- oder Flüssiggasheizung, die nach dem 29. Juli 2026 in ein bestehendes Gebäude eingebaut wird. Ab 2029 müssen mindestens 10 %, ab 2030 15 %, ab 2035 30 % und ab 2040 60 % der Wärme aus Biomethan, Bioöl, biogenem Flüssiggas oder Wasserstoff stammen. Außerdem sieht das GModG eine neue Kostenteilung beim Mieterschutz vor: Vermieter tragen bei neu eingebauten Gas-, Öl- oder Flüssiggasheizungen ab 2028 die Hälfte der CO₂-Kosten und Gasnetzentgelte, ab 2029 auch der Bio-Brennstoffkosten (bis 30 % Anteil).

Was bleibt: Die Heizungsförderung der BEG soll bis mindestens 2029 bleiben, seit dem 21. Juli 2026 gelten aber neue Richtlinien mit geringeren Boni und Höchstbeträgen. Die Nachrüstpflichten für die Gebäudehülle, also Dämmung bei Sanierung, bestehen weiter, ebenso wie die Pflicht zur Heizungsoptimierung bei Bestandsanlagen und die EPBD-Vorgaben der EU.

65-%-EE-Regel
Fällt weg
Bio-Treppe
Kommt neu hinzu
BEG
Bleibt erhalten

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Zeitplan: Seit 29. Juli 2026 in Kraft

Februar 2025
Bundestagswahl. CDU/CSU und SPD vereinbaren im Koalitionsvertrag, das Heizungsgesetz abzuschaffen und durch ein technologieoffeneres Gesetz zu ersetzen.
24. Februar 2026
Die Koalition einigt sich auf Kerninhalte des GModG: 65-%-Regel fällt, Bio-Treppe ab 2029, Förderung bis 2029 gesichert, Kostenteilung beim Mieterschutz.
25. April 2026
Das Bundeskabinett verschiebt das Inkrafttreten der 65-%-EE-Pflicht für Großstädte um vier Monate auf den 1. November 2026, um Rechtsunsicherheit zu vermeiden.
26. Mai 2026
Kabinettsbeschluss zum GModG geplant. Anschließend folgen Bundesrat und parlamentarisches Verfahren.
Mitte bis Ende Juli 2026
Inkrafttreten erwartet. Bis dahin gilt das GEG 2024 unverändert weiter.

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Was bedeutet das konkret für Vermieter von Mehrfamilienhäusern?

Mehr Flexibilität beim Heizungstausch: Der Einbau einer Gasheizung ist wieder ohne 65-%-Nachweis möglich. Kurzfristig bedeutet das weniger Investitionsdruck für Eigentümer, deren Heizungsanlage ausgetauscht werden muss. Bestandsgebäude mit alten Gasheizungen sind nicht mehr zwingend auf Wärmepumpen oder Hybridanlagen angewiesen.

Neue Kostenteilung beim Mieterschutz ab 2028: Wer nach dem 29. Juli 2026 eine neue Gas- oder Ölheizung in ein vermietetes Wohngebäude einbaut, trägt ab 2028 die Hälfte der CO₂-Kosten und Gasnetzentgelte, ab 2029 auch der Bio-Brennstoffkosten. Das verändert die Betriebskostenstruktur im Vergleich zum bisherigen Recht erheblich – insbesondere bei der langfristigen Wahl der Heiztechnologie.

Bio-Treppe ab 2029 bringt laufende Mehrkosten: Biomethan-Tarife sind teurer als Standard-Erdgas. Die genauen Kostensteigerungen hängen von der Beimischungspflicht ab, die das Gesetz von 10 % (2029) auf 60 % (2040) anhebt.

Modernisierungsumlage bleibt ein Instrument: Vermieter können Kosten für den Heizungstausch weiterhin über die Modernisierungsumlage (§ 559 BGB) anteilig auf Mieter umlegen: maximal 8 % der Kosten pro Jahr, wobei die Monatsmiete in sechs Jahren um höchstens 3 €/m² steigen darf (beim Heizungstausch um höchstens 0,50 €/m²). Im Rahmen der geplanten Mietrechtsreform 2026 soll die Wertgrenze für das vereinfachte Verfahren von 10.000 auf 20.000 Euro steigen – noch nicht beschlossenes Recht.

CO₂-Preis steigt weiter – unabhängig vom GModG: Ab 2026 bildet sich der CO₂-Preis am Markt in einem Korridor von 55–65 €/Tonne. Das verteuert fossiles Heizen unabhängig von der GEG-Reform schrittweise weiter. Gebäude mit schlechter Energieeffizienz werden damit für Mieter teurer – mit Auswirkungen auf Vermietbarkeit und Miethöhe.

EPBD-Pflichten kommen separat: Die EU-Gebäuderichtlinie ist unabhängig vom GModG in nationales Recht umzusetzen. Die Bundesregierung hat angekündigt, für Wohngebäude keine gebäudeindividuellen Sanierungsanforderungen auszulösen. Für Nichtwohngebäude könnten aber spezifische Pflichten kommen.

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Unsere Einschätzung: Verlässlichkeit sieht anders aus

Wir begrüßen jede Vereinfachung, die echte Investitionen in den Gebäudebestand leichter macht. Trotzdem möchten wir offen benennen, was uns an der aktuellen Entwicklung besorgt – nicht als Kritik an einer Partei, sondern als Beobachtung einer strukturellen Schwäche der deutschen Gebäudeenergiepolitik.

Das Kernproblem: Die Branche denkt in Dekaden, die Politik in Legislaturperioden.

Energetische Sanierungen von Mehrfamilienhäusern sind Investitionen mit Laufzeiten von 20 bis 40 Jahren. Eine Heizungsanlage, die heute eingebaut wird, läuft bis 2045 oder 2050. Ein Dämmprojekt amortisiert sich über 15 bis 25 Jahre. Förderprogramme, Steuervorteile, Umlageregelungen – all das fließt in Businesspläne ein, die auf langfristigen Annahmen basieren.

Was wir in den letzten Jahren erlebt haben, ist das Gegenteil davon: 2020 trat das GEG in Kraft. 2024 kam eine fundamentale Novelle mit der 65-%-Regel. 2025 folgte die nächste Bundestagswahl – und mit ihr der Beschluss, zentrale Teile eben dieser Novelle wieder zu kippen. Das GModG ist die dritte grundlegende Neuausrichtung in weniger als sechs Jahren.

Investoren – ob private Vermieter, Projektentwickler oder Institutionelle – können unter diesen Bedingungen keine stabilen Entscheidungen treffen. Jeder, der 2023 oder 2024 auf Basis der damals geltenden Gesetzeslage in eine Wärmepumpe investiert hat, steht heute vor einem völlig anderen regulatorischen Umfeld. Das ist kein Fehler des Investors – das ist ein Versagen der Rahmenbedingungen.

Die 65-%-Regel: Kein Entweder-oder

Das Kippen der 65-%-EE-Pflicht wird politisch als Entlastung für Vermieter verkauft. Das stimmt kurzfristig – der Einbau einer einfachen Gasheizung ist günstiger als eine Wärmepumpenanlage. Mittelfristig ist die Rechnung aber komplexer. Wer heute eine neue Gasheizung einbaut, bindet sich an steigende CO₂-Preise, an die Bio-Treppe ab 2029 und an eine Kostenteilung mit Mietern, die neue Konfliktpotenziale schafft. Die Betriebskosten fossiler Heizungen werden strukturell teurer – nicht billiger.

Für Mieter in schlecht gedämmten Gebäuden mit fossilen Heizungen bedeutet das konkret: höhere Nebenkosten, schlechtere Wohnqualität, geringere Attraktivität des Objekts. Der Mieterschutz im GModG ist der Versuch, einen Fehlanreiz zu korrigieren, der durch die Abschaffung der 65-%-Regel erst entsteht. Das ist regulatorische Reparaturarbeit, keine Vereinfachung.

Was Investoren tatsächlich brauchen

Planungssicherheit bedeutet nicht, dass sich Gesetze nie ändern dürfen. Sie bedeutet, dass Änderungen vorhersehbar, langfristig angekündigt und mit ausreichend langen Übergangsfristen versehen sind. Was die Branche von der Politik braucht, ist kein bestimmtes Gesetz – sondern ein verlässlicher Korridor für die nächsten 10 bis 15 Jahre. Die Bundesarchitektenkammer hat es in ihrer Stellungnahme zur GModG-Novelle klar formuliert: Die aktuell diskutierten Eckpunkte setzen zu stark auf kurzfristige politische Entlastungen und drohen die langfristige Verlässlichkeit der Gebäudeenergiepolitik zu untergraben. Wir teilen diese Einschätzung.

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Was jetzt zu tun ist

Seit dem 29. Juli 2026 gilt das GModG anstelle des GEG 2024. Für Vermieter und Investoren bedeutet das: Wer einen Heizungstausch plant, kann jetzt auf Basis der endgültigen Gesetzeslage entscheiden. Bei dringend notwendigem Tausch sollte die Wahl der Heiztechnologie nicht nur nach kurzfristigen Installationskosten, sondern mit Blick auf Betriebskosten unter steigendem CO₂-Preis und die Bio-Treppe ab 2029 getroffen werden.

Wer energetische Sanierungen plant – Dämmung, Fenstererneuerung, Lüftungsanlagen – sollte diese unabhängig vom GModG vorantreiben. Die Anforderungen an die Gebäudehülle bleiben im Wesentlichen unverändert, und gut gedämmte Gebäude werden unabhängig von der Heiztechnologie attraktiver, vermietbarer und wertbeständiger.

Und: Und: Die BEG läuft bis 2030, aber ohne Rechtsanspruch und seit Juli 2026 gekürzt. Jetzt ist der Zeitpunkt, laufende oder geplante Sanierungsvorhaben in die Förderlogik einzubetten – bevor weitere politische Kurswechsel kommen.

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Lukas Steinhilber
Lukas Steinhilber
Lukas ist unser Gründer und CEO. Sein erstes erfolgreiches Unternehmen VEHICULUM hat er 2014 gegründet. Seine Passion besteht darin, fragmentierte Märkte durch Technologie zu verbessern.
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Häufige Fragen zu diesem Thema
Welche Pflichten gelten nach dem Kauf eines Mehrfamilienhauses?

Nach einem Eigentümerwechsel haben Sie zwei Jahre Zeit, die oberste Geschossdecke oder alternativ das Dach zu dämmen und ungedämmte Heizungs- und Warmwasserleitungen in unbeheizten Räumen nachzurüsten. Die frühere Pflicht, über 30 Jahre alte Heizkessel auszutauschen, ist entfallen. Ausnahmen gelten etwa bei Denkmalschutz oder Unwirtschaftlichkeit.

Muss der Vermieter die Heizung erneuern?

Mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz ist die gesetzliche Austauschpflicht für alte Heizungen entfallen. Mietrechtlich muss der Vermieter aber eine funktionierende Heizung stellen. Fällt sie aus, muss er sie reparieren oder ersetzen. Welche Technik er dann wählt, kann er frei entscheiden.

Welche Heizungen sind nach dem Gebäudemodernisierungsgesetz erlaubt?

Das Gesetz ist technologieoffen, auch neue Gas- und Ölheizungen sind wieder erlaubt. Wer ab 2029 eine solche Heizung betreibt, muss aber einen steigenden Anteil klimafreundlicher Brennstoffe nutzen, beginnend mit 10 % im Jahr 2029, dann 15 % 2030, 30 % 2035 und 60 % 2040.

Welche Bußgelder drohen bei Verstößen gegen das Gebäudemodernisierungsgesetz?

Verstöße gegen Pflichten des Gesetzes sind Ordnungswidrigkeiten. Je nach Verstoß drohen Bußgelder von bis zu 5.000, 10.000 oder 50.000 Euro, etwa bis zu 50.000 Euro bei fehlender Dämmung der obersten Geschossdecke. Zuständig sind die nach Landesrecht bestimmten Behörden. Diese Angaben ersetzen keine Rechtsberatung.

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